Gelungenes Pilotprojekt
Von Vielfalt, Reichtum und Zusammenhalt: Drei Luthermahle haben Menschen und Institutionen zusammengebracht
Mit den Luthermahlen hat das Diakonische Werk Neuwied im Frühsommer Akteure aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu einem aktuellen politischen Thema zusammengebracht. Die Veranstaltungsreihe ist ein Beitrag zum Reformationsjubiläum an Rhein und Wied: Ganz im Sinne Martin Luthers konnte das Volk sich dabei gegenseitig „aufs Maul schauen“. Inspiriert wurde die Diakonie dafür von Ansätzen aus dem Quartiersmanagement.
Zum Erfolg haben dieses neuartige Projekt besonders drei Faktoren gemacht: 1. die sorgsame Vorbereitung und Zusammenarbeit von Diakonie, Kirchengemeinde und Partnerorganisation vor Ort; 2. gute RednerInnen; 3. wirkliche Begegnung – per Tischkärtchen kamen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen an einem Tisch zum Essen zusammen, wo zudem eine Diakonie-Mitarbeiterin half, ins Gespräch zu kommen. Die Pfarrer Jochen Trauthig, Christoph C. Schwaegermann und Andreas Beck eröffneten und beschlossen das Mahl jeweils mit einem Abendsegen.
Vielfalt feiern
Thema des ersten Luthermahls in Neuwied-Oberbieber war kulturelle Vielfalt. Annik Gentner, im Welcome-Café an der Marktkirche aktiv, warb eindringlich für Kontakt und Spracharbeit mit den Zugewanderten. Der damalige Oberbürgermeister Nikolaus Roth erinnerte an die Toleranz-Tradition Neuwieds und erzählte von seiner Migration von der Mosel an den Rhein. Die Pausen zwischen den Reden untermalte Pianistin Beate Kühlwein mit Rennaissance-Musik. Sehr profiliert holte als dritter Redner der rheinland-pfälzische Diakonie-Pfarrer Albrecht Bähr den Gästen den biblischen Auftrag ins Gedächtnis: „Achte den Fremdling nicht gering!“, zitierte er aus dem 5. Buch Mose. Die evangelische Kinder- und Jugendhilfe servierte dazu Spezialitäten aus Afrika, dem Orient und Deutschland.
Reichtum ist nur ein Segen,wenn er geteilt wird
Diese kulturelle Integration wurde beim zweiten Luthermahl in Linz direkt umgesetzt: Hier bewirtete nämlich der Internationale Kochtopf Bad Hönningen die Gäste. Eine Gruppe geflüchteter Frauen kochte afghanisch und iranisch. Armut mitten unter uns war das Thema der Reden und Gespräche, zu denen Vertreter der Linzer Tafel und der Trinitatis-Kirchengemeinde zusammenkamen. Tafel-Vorsitzender Dr. Werner Dötsch gab einen Einblick in die Arbeit und die Quellen der Tafel, der nachdenklich machte. Landrat Rainer Kaul stellte unser gängiges Verständnis von Armut von verschiedenen Perspektiven aus in Frage. Diakonie-Geschäftsführerin Renate Schäning kam dann nach einer Bibel-Lese zum Schluss: „Reichtum ist nur ein Segen, wenn er geteilt wird.“ Musikalisch feinsinnig begleiteten die Hönninger Zupfmusikfreunde diesen Abend.
Liebe zur älter werdenden Gesellschaft
Zusammenhalten mit Raum für Individualität – dies war der Tenor der drei RednerInnen beim Luthermahl in Oberhonnefeld. Sie antworteten auf die Frage: Wie kann Lebensqualität auf dem Land erhalten werden, besonders auch für alte Menschen? Als Starrednerin warb die rheinland-pfälzische Demografieministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler für eine Liebe zu unserer älter werdenden Gesellschaft: „Dass wir alle länger leben, ist doch etwas total Schönes!“ Für eine Infrastruktur auf dem Dorf, die auch alte Menschen den Anschluss halten lässt, setzte sich die Leiterin der evangelischen Sozialstation Straßenhaus, Angela Keul-Göbel, ein. Bunte Musik am Flügel spielte dazu Valentina Leinweber, und sommerliche Leckereien kamen aus der Kantine des Martin-Butzer-Gymnasiums Dierdorf. Diakonie-Pfarrerin Renate Schäning appellierte zum Abschluss: Es ist die Verantwortung eines jeden von uns, jetzt zu überlegen, wie wir gepflegt werden können, wenn wir das später einmal brauchen.
„Es hat sich bewährt, wie wir zusammen sitzen, essen und reden“, resümiert Schäning. Die Diakonie ist mit dem Modell Luthermahl und seiner integrativen Kraft so zufrieden, dass sie plant, die Veranstaltungsreihe mit weiteren sozialpolitischen Themen fortzuführen.
Dorothea Müth

 
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